Cluster

Forschungsbereiche

Alle Bereiche und die jeweils zugeordneten Projekte auf einer Seite.

Bereich A

Schriftsysteme

Wie hängen Schriftsysteme mit Aufbau und Weitergabe von Wissen sowie mit politischen und sozio-kulturellen Faktoren zusammen?

  • Bleiamulette und performative Schriftpraxis

    Das Postdoc-Projekt widmet sich der Schnittstelle zwischen Schrift und Körper im vormodernen Skandinavien und konzentriert sich dabei auf Metallamulette, insbesondere solche aus Blei – ein kleiner und wenig erforschter Teil des Runenkorpus mit mehreren Funden, die bis heute unveröffentlicht sind. Das Projekt konzentriert sich dabei insbesondere auf gefaltete Bleiamulette, die oft Inschriften mit verschiedenen Schriften (runisch und Lateinschriftlich) und Sprachen (Altnordisch und Latein) enthalten. Neben der Erstellung eines eigenen Forschungsprojekts wird das PostDoc-Projekt auch zur Weiterentwicklung einer bereits bestehenden kritischen Forschungsinfrastruktur beitragen. Die untersuchten Inschriften – insbesondere gefaltete Bleiamulette und andere kleinformatige Objekte – sollen in die Datenbank des Akademieprojekts „Runeninschriften in germanischen Sprachen“ (RuneS, 2010–2025) aufgenommen werden. Da das RuneS-Projekt zum Ende 2025 abgeschlossen sein wird, soll die Postdoc-Stelle die fortlaufende Dokumentation, Interpretation und Integration neu entdeckter oder neu bewerteter Runenamulette in dieses digitale Korpus sicherstellen.

  • Kulturgeschichte der Alphabetschrift

  • Schriftmagie

  • Text in Raum und Zeit: Studien zum textlichen und ikonographischen Programm des Tempels von Edfu

    In „Text in Raum und Zeit: Studien zum textlichen und ikonographischen Programm des Tempels von Edfu“ wird eine Neuedition mit Übersetzung, philologischem Kommentar und Analyse einer bestimmten räumlichen Einheit im Tempel von Edfu vorgenommen. Über die Untersuchung des Schriftsystems und der Beziehung zwischen Text und Bild wird das Material diachron und synchron über verschiedene Medien und Genres hinweg analysiert. Daraus ergibt sich, dass Inschriften eine textgeschichtliche Dimension haben, wobei sie sich in einem Raum befinden, der bestimmten Vorgaben des gebauten Ensembles folgt, mit Bezügen zu den Himmelsrichtungen und zu anderen Räumen des Tempels und deren Darstellungsprogramm.

Bereich B

Praktiken in Layout, Erhaltung und Archivierung von Texten

Das Forschungsfeld untersucht Materialität und Medialität von Texten sowie Praktiken von Layout, Erhaltung und Archivierung.

  • (Dis)kontinuität und Innovation. Untersuchungen zu den Redaktions- und Schreibpraktiken der Inschriften der Könige von Assyrien

    Die Inschriften von Sargon II. von Assyrien (721–705 v. Chr.) und seinem Sohn und Nachfolger Sanherib (704–681 v. Chr.) eignen sich besonders gut für die Untersuchung von Kontinuität, Diskontinuität und Innovation in den Redaktions- und Schreibpraktiken des assyrischen Hofes, da für beide Herrscher zahlreiche annalistische Texte, festgehalten auf Ton und Stein in den Keilschriftsprachen Akkadisch und Sumerisch, erhalten sind. In Verbindung mit neuen computerunterstützten Methoden erlauben die jüngst vollendeten Gesamteditionen erstmals die Überprüfung von modernen Annahmen über die redaktionellen und philologischen Praktiken bei der Produktion dieser Texte. Fragen zu (Dis-)Kontinuität, Tradition und Innovation sollen mit einem Fokus auf die Textproduktion unmittelbar nach Sennacheribs Thronbesteigung in Folge des unerwarteten Todes seines Vaters untersucht werden.

  • Epitomisieren: Verknappung und Entfaltung von Texten

    Das Projekt untersucht die Geschichte von Verfahren der Textverkürzung und -zusammenfassung in der spanischen Imperialverwaltung (16.-18. Jahrhundert) und in den Philologien der europäischen Gelehrtenrepublik (17.-19. Jahrhundert). Analysiert werden sowohl die Kompressionsverfahren als auch die Praktiken der Textentfaltung und deren historischer Wandel, einschließlich medialer und layoutbezogener Aspekte wie Weißräume und Tabellen. Das Projekt nutzt Digital Humanities-Verfahren, um die Verhältnisse von Lang- und Kurzfassungen in größerer Serialität zu bestimmen.

  • Inscribing Piety: Patronage and epigraphische Praktiken in indischen und tibetischen Kulturräumen

    Das Projekt untersucht die kulturelle und religiöse Bedeutung von Inschriften in Südasien und im tibetischen Kulturraum und leistet zugleich einen Beitrag zur übergreifenden vergleichenden Erforschung von Inschriftentraditionen über Asien hinaus. Es kombiniert philologische, kunsthistorische und digitale Ansätze und zielt in erster Linie darauf ab, digitale Editionen sowie kulturübergreifende Studien zu entwickeln. Der Fokus liegt auf drei Schlüsselregionen und historischen Perioden: 1. Frühhistorisches Südindien, 2. Tibet im zweiten Jahrtausend und 3. Frühneuzeitliches Nepal. Das indologische Teilprojekt „Monuments of Faith: Patronage and Institution in the Early Inscriptions of the Deccan“, das für einen Postdoc mit Expertise in mittelindoarischen Sprachen, der frühen Brāhmī-Schrift sowie TEI/Epidoc-Codierung ausgeschrieben wird, widmet sich der Integration, Erweiterung und Standardisierung früherer editorischer Initiativen durch die Erstellung des digitalen Korpus „Early Inscriptions of the Deccan“. Das tibetologische Teilprojekt „Layers of Inscribed Meaning: Toward a Typology and Digital Corpus of Inscriptions in Tibetan Buddhist Sacred Art“, das für einen Postdoc in Vollzeit mit Expertise in klassischem Tibetisch, tibetischer Kunstgeschichte und Epigraphik ausgeschrieben wird, verfolgt das Ziel, eine Klassifikation und Typologie tibetischer Inschriften zu erarbeiten. Grundlage hierfür ist das erste umfassende digitale Korpus von Inschriften auf tibetischen Objekten der buddhistischen Kunst.

  • Von der Suche nach alten Rechten hin zur historischen Wissenschaft (Open Topic)

Bereich C

Editionspraktiken

Das Forschungsfeld untersucht die Geschichte editorischer Praktiken im interkulturellen Vergleich und entwickelt neue Methoden.

Bereich D

Text und Kommentar, Kanonbildung und Zensur

Im Fokus stehen Prozesse der Kanonbildung und die Beziehung zwischen Texten und Kommentaren in verschiedenen Kulturen.

  • Computergestützte Analyse von Mustern der Kanonbildung im Feld der europäischen Novellentradition

    Während Kanonisierung bislang meist als stabiler Zustand und unter Berücksichtigung einer geringen Anzahl kanonisierter Werke untersucht wurde, betrachtet das Projekt Kanonbildung als dynamischen Prozess mit besonderem Augenmerk auf „Mustern der Kanonbildung”. Folgende Ziele sollen erreicht werden: (a) Erkennung relevanter Muster von Kanonisierung als Teil sozialer Praktiken, (b) Entwicklung eines Rahmens zur Erschließung des historischen Wandels dieser Muster und (c) die Korrelation der Prozesse der Kanonbildung als soziale Praxis mit Prozessen der Retextualisierung. Bewerberinnen und Bewerber sollten über fundierte methodische Kenntnisse in den Bereichen Computational Humanities und Computational Literary Studies verfügen und Interesse an mindestens zwei Kulturbereichen, darunter der deutschen Literaturgeschichte, mitbringen. Von den Bewerberinnen und Bewerbern wird erwartet, dass sie mit benachbarten digitalen Projekten des Clusters zusammenarbeiten und ihr Fachwissen in die Aktivitäten des Clusters im Bereich der Digital und Computational Humanities einbringen (einschließlich Workshops zu digitalen Methoden wie Stilometrie, Topic Modeling, maschinellem Lernen usw.).

  • Edition und Kommentar – Analyse der paratextuellen Kommentarüberlieferung in Ge'ez Manuskripten mit originalen jüdischen Schriften

    Bislang wurde nie eine Studie zu den reichen Kommentarüberlieferungen im Horn Afrikas zum altäthiopischen Henochbuch durchgeführt, obwohl dieses eine besondere Stellung unter den biblischen Schriften des Alten Testaments im äthiopischen Christentum und Judentum einnimmt. Die Untersuchung soll auf drei Quellenbereiche ausgerichtet werden: (1) die Andǝmta bzw. Tergwame Kommentar-Überlieferung (gedruckt und in einigen Handschriften auf Gǝ’ǝz und Amharisch verfügbar); (2) Paratexte bzw. deutende Randbemerkungen in ausgewählten Handschriften der frühen Rezension des Buches; und (3) eigenständige Überlieferungen, die Ansichten zum Henochbuch unter traditionellen Gelehrten in Äthiopien (Ethiopian Orthodox Tewahedo Church) und Israel (Beta Israel) wiedergeben.

  • Kanonbildung und Kommentierung. Geschichte und Strategien im vormodernen China

    Während über die Zusammenstellung der altehrwürdigen Schriften des chinesischen Altertums in einen – über die Jahrhunderte variierenden und wachsenden – Kanon viel geschrieben worden ist, wissen wir bisher wesentlich weniger über die Kanonisierung, Kommentierung und Anthologisierung historischer und schöner Literatur des alten China. Dieses Projekt setzt sich zum Ziel, die Prozesse der Kanonbildung im traditionellen China allgemein und an einzelnen Beispielen zu untersuchen. Solche Beispiele können die konfuzianischen Schriften selbst sein oder die frühen Dynastiegeschichten, die zum Kanon der „Drei oder vier Standardgeschichten“ wurden, „Die Auswahl von Literatur“ (Wenxuan), die für die folgenden Jahrhunderte Vorbild für elegantes Schreiben war, oder aber die kanonischen Schriften in Sprachen, die neben dem Chinesischen in China geschrieben wurden.

  • Philosophie und Grammatik in kulturübergreifender Perspektive

    Dieses Projekt geht von der Beobachtung aus, dass in der Vormoderne viele Praktiken, die wir heute mit der Philologie verbinden, innerhalb der Disziplin der „Grammatik“ ausgeübt wurden. Das Vorhaben beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Philosophie und Grammatik in den altgriechischen, altlateinischen, mittelalterlich-lateinischen, arabischen und Sanskrit-Traditionen. Die Hauptergebnisse werden ein Quellenband zu philosophischen Ideen in der antiken grammatikalischen Literatur sowie mehrere Tagungen sein, die in einen Sammelband zum Thema münden sollen.

Bereich E

Migration und Übersetzung von Texten

Untersucht werden Bewegungen von Texten über Ort, Zeit und Medien sowie Praktiken von Übersetzung und Retextualisierung.

  • al-Urmaw’s Afterlife - Migrating Music Manuscripts in Arabic and Persian (Open Topic)

  • Antike Autoritäten in neuen politischen und gesellschaftlichen Kontexten

    Praktiken von Transformation klassischer Texte, z.T. durch Überführung in neue Gattungen und in neue politische bzw. gesellschaftlich relevante Kontexte, sind in der lateinischen und griechischen Literatur von der Spätantike bis in die Frühe Neuzeit kontinuierlich zu beobachten und i.d.R. mit Editions- und Kommentierungspraktiken verbunden, die die intertextuelle Methode solcher Transformationsprozesse unterstützen. Im Projekt sollen diese Praktiken exemplarisch in Fallstudien untersucht werden.

  • Deutsche Shakespeare-Rezeption

    Das Projekt erforscht die umfangreiche Rezeption William Shakespeares in Deutschland. Archivmaterial aus der Münchner Shakespeare-Forschungsbibliothek wird systematisch analysiert, ediert und digital verfügbar gemacht. Besonderes Augenmerk gilt Überarbeitungen, Editionen und Versionen früher Bühnenadaptionen.

  • Die Homerocentones der Eudokia

    Das Projekt soll die unterschätzten Homerocentones der spätantiken oströmischen Kaiserin Aelia Eudokia (5. Jh.), eine facettenreiche, bis ins Detail an Sprache und Mythologie der homerischen Epen orientierte hexametrische Nacherzählung der biblischen Heilsgeschichte, als Beispiel einer höchst kunstvollen Retextualisierung biblischer Stoffe umfassend erschließen. Dabei wird einerseits analysiert, wo und wie stark die bereits weitentwickelte Homerphilologie und -allegorese Eingang in die Komposition gefunden hat, andererseits möglichen Einflüssen der subtilen Schriftdeutung mittels Versauswahl auf die spätere Exegese nachgegangen.

  • Geschichten erzählen: Kulturelle Transmission innerhalb von und über Grenzen hinweg

    Das Erzählen von Geschichten trägt zur Entstehung und Kohärenz sozialer Gemeinschaften bei sowie zu ihrer Integration in grössere Kulturräume oder ihrer expliziten Differenzierung davon. Am Beispiel des slavischen Sprach- und Kulturraums und seiner weiteren Einbettung modelliert dieses Projekt die Verbreitung von Motiven und Konzepten, ihre Adaption und Stabilisierung innerhalb von Sprachen und über Sprachräume hinweg und möchte zugleich die soziokulturellen Umstände verstehen, die die Weitergabe von Ideen gefördert oder gehemmt haben. Ausgeschrieben ist eine Doktorandenstelle in Slavischer Philologie zur Modellierung der diachronen und distributiven Dynamik kultureller Transmission am Beispiel ausgewählter Fallstudien, insbesondere 1) der Konstruktion von Geschichte am Beispiel der Kiever Rus in altostslavischen Chroniken und in der Volksepik, oder 2) der Übersetzung, Adaption und Übertragung kultureller Konzepte im Alexander-Roman.

  • Migrationen novellistischer Stoffe im Spätmittelalter

    Die Retextualisierung, also das Wiedererzählen, Adaptieren und Neugestalten prägt die mittelalterliche Novellistik in entscheidender Weise. Ähnliche Erzählstoffe und -strukturen finden sich in ganz unterschiedlichen Regionen und Zeiträumen, doch lassen sich häufig keine klaren Abhängigkeiten oder gar Transmissionswege rekonstruieren. Während die Epochen- und Sprachräume übergreifenden Retextualisierungen in den letzten Jahrzehnten tendenziell aus dem Blick der Forschung geraten sind, sollen sie im geplanten Dissertationsprojekt anhand dreier Modellfälle genauer analysiert und methodisch reflektiert werden.

  • Mittelalterliche und frühneuzeitliche Höfe als Zentren textueller Migration

    Europäische Höfe des Hoch- und Spätmittelalters wie der von Friedrich II. in Palermo oder der von Marie de Champagne, der Anjou-Hof in Neapel oder die Plantagenet-Höfe zogen Kleriker, Gelehrte, Dichter, Schreiber und Historiker an, die verschiedene Volkssprachen sowie Latein mitbrachten oder Zugang zu ihnen hatten und Übersetzungen sowie Kompilationen anfertigten. So wurden diese Höfe zu Knotenpunkten für die Migration von Manuskripten, Praktiken, Texten, Textelementen oder -strukturen und spezifischen Schreibtechniken von einer Sprache und ihrem kulturellen oder politischen Kontext zu einer anderen, manchmal auch zwischen verschiedenen Genres und Medien. Ausgeschrieben wird eine Postdoc-Stelle zu diesen Migrationsphänomenen, optional mit Berührungspunkten zu Themen wie Kanonisierung, Editionspraktiken oder Kommentierung.

  • Philologie der Alchemie

    Das Projekt entwickelt eine neue Perspektive auf die Wissenschaftsgeschichte der Philologien am Beispiel der Geschichte der Alchemie sowie der historischen Alchemieforschung. Die Alchemie war ein heterogenes Wissensfeld mit langer Geschichte, das in unterschiedlichen sprachlichen und kulturellen Kontexten praktiziert, diskutiert und tradiert wurde und unterschiedliche Bedeutungen und Formen annahm: von handwerklich-experimentellen Rezepturen bis zu okkulten Ritualen. In einer kulturvergleichenden Langzeitanalyse wird an diesem Beispiel rekonstruiert, wie Wissen über Natur, Stoffe und handwerkliche Praxis philologisch generiert und textlich vermittelt wurde. Das Projekt ist überepochal angelegt und setzt auf Kooperationen im Cluster: Es verknüpft alchemistisch-philologische Praktiken der vormodernen Zeit – etwa aus Antike und Mittelalter – mit ihrer wissenschaftshistorischen Rezeption im 19. und 20. Jahrhundert (z. B. durch Julius Ruska) und bringt sie mit aktuellen methodischen Zugängen ins Gespräch wie digitale Analyseverfahren oder performative Methoden. Dabei werden „philologische Praktiken“ als multiperspektivische Form der Wissensproduktion verstanden, die historisch gewachsen und kulturell geprägt ist – und weit über Philologien i.e.S. wirksam wurden.

Cross Cultural Philology © 2026